Weihnachtsgeschichte: Der „Gjatn“-Erlass

Basierend auf einen alten Witz habe ich diesen dieses Jahr (2012) zu einer kleinen Weihachtsgeschichte umgebaut. Die Geschichte passt gut auf 1 DIN-A4 Seite und kann gut bei einer kleinen Glühweinzusammenkunft gut vorgetragen werden. Ich wünsche gute Unterhaltung.

Die Geschichte habe ich mir selbst ausgedacht, ist rein fiktiv und hat nichts mit realen Gegebenheiten zu tun. Sie entstand als Beitrag zu bei uns im Dorf gepflegten „lebendigen Adventskalender“, wo als Unterhaltung kleine Geschichten vorgetragen werden. Und da mir die allgemein bekannten Geschichten mittlerweile zu langweilig waren und ich Hochwieser Wurzeln habe, habe ich mir kurzerhand selbst eine ausgedacht. 😀

Übrigens, schon gewusst: Gjatn hat im Hochwieser Dialekt tatsächlich die in der Geschichte genannte Bedeutung.

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Es war einmal ein kleines Königreich in der Slowakei mit einigen Fürsten, Grafen und deren Untertanen. Wie alle Jahre wieder näherte sich das Weihnachtsfest in großen Schritten. Der König wollte dieses Jahr seiner Königin ein wertvolles Geschenk machen in der Hoffnung, dass sie ihm wieder mehr Zuwendung schenken würde, was in letzter Zeit seiner Meinung nach nachgelassen hat. Er ging also in die Schatzkammer und öffnete die Staatskasse. Erschrocken stellte er fest, dass diese bis auf wenige Taler vollkommen leer war. Er rief all seine Fürsten zusammen, einer von ihnen war für die Finanzen zuständig.

Der König stellte die Fürsten erbost zu Rede, wie es zu der totalen Ebbe in der Staatskasse gekommen ist. Die Fürsten steckten die Köpfe zusammen. Anschließend trat der finanzverantwortliche Fürst vor den König und begann mit seiner Stellungnahme: „Eure Durchlaucht, in den letzten Jahren wurden die Winter immer kälter, wodurch sich der Krankenstand der Untertanen extrem erhöhte. Weiterhin konnten wir beobachten, dass die allgemeine Hygiene der Untertanen verstärkt nachgelassen hat. Dies sind die beiden Hauptgründe durch die es nun vermehrt zu Arbeitsausfällen kam. Diese Ausfälle wirkten sich wiederum sehr negativ auf die Produktivität aus. Durch die sinkende Produktivität war es uns nicht möglich, die gewohnte Höhe der Steuern von den Untertanen einzutreiben. Der klägliche Rest der Staatskasse musste dieses Jahre für das notwendigste des Notwendigsten investiert werden.“

Frustriert seiner Königin dieses Jahr nicht das geplante Weihnachtsgeschenk machen zu können, befahl er seinen Fürsten ausnahmslos ALLE Untertanen im Park des Palastes zu versammeln, er wollte einen königlichen Erlass verlautbaren. So kam es, dass sich zu besagtem Termin alle Untertanen versammelten. Der König trat an den Balkon und rief: „Untertanen ich habe erfahren, dass es vermehrt Hygienemangel unter euch herrscht und ihr an Erkältungen leidet. Ich bin sehr ungehalten, nicht zuletzt deshalb, weil ihr mir dieses Jahr damit das Weihnachtsfest vermiest habt. Und ich erlasse daher hiermit folgendes Gesetz: Ihr alle meine Untertanen beschenkt euch dieses Jahr zu Weihnachten gegenseitig mit „Gjatn“ die Männer ihre Frauen und die Frauen ihre Männern, eure Kinder ebenso.“

Nun muss man wissen, dass in der slowakischen Region um Veľké Pole (zu deutsch „Hochwies“ ) schon damals der Hochwieser-Dialekt gesprochen wurde. In dieser Mundart werden lange Unterhosen als „Gjatn“ bezeichnet.

Der König fuhr fort: „Damit ich dieses Jahr nicht allein ein vermiestes Weihnachtsfest habe, werdet ihr den Miesepeter mit mir teilen, denn die Weihnachtsüberraschung fällt flach, da nun jeder von euch jetzt weiß, was sein Geschenk sein wird. Weiterhin ist es ab sofort Pflicht fortwährend die „Gjatn“ zu tragen. Zuwiderhandlungen werden auf Härteste bestraft.“ Unter den Untertanen begann ein Murmeln und Raunen. Schließlich rief einer der Bauern: „Mein König, welchen Sinn verfolgst du uns zum Tragen von „Gjatn“ zu verpflichten, außer uns ebenfalls das Weihnachtsfest zu vermiesen? Wir verstehen das nicht.“ Der König entgegnete: „Nun, ganz einfach… Tragen von „Gjatn“ ist SAUBERER und außerdem WÄRMER. Nun geht nach alle Hause und leistet meiner Anweisung folge“.

Mürrisch löste sich die Versammlung auf. Weihnachten kam und alle beschenkten sich wie befohlen gegenseitig mit den langen Unterhosen und trugen diese von nun an, wenn auch widerwillig. Einer der Untertanen war ein von Natur aus muffeliger Kutscher, dem sich der Sinn des Tragens der Unterhosen einfach nicht erschließen wollte. Das vermieste Weihnachtsfest tat ein Übriges, seine Stimmung zusätzlich zu verschlechtern. Derartig gestimmt war der Kutscher tags darauf mit seinem Knecht auf dem Pferdewagen im Wald unterwegs, als er den Drang verspürte ein „großes Geschäft“ zu verrichten.

Er hielt den Pferdewagen an, kletterte vom Kutschbock, hockte sich hin und verrichtete am Wegesrand seine Notdurft. Nach der Verrichtung des Geschäfts erhob er sich und warf einen Blick hinter sich. Als er dort nichts als weißen Schnee sah, murmelte er vor sich hin: „Immerhin… SAUBERER ist es ja!“. Er kletterte den Wagen hoch und nahm wieder auf dem Kutschbock Platz. Jetzt war sein Erstaunen so groß, dass er ausrief: „Unglaublich… und WÄRMER ist es auch!“ Nun weitaus milder den „Gjatn“ gegenüber gestimmt griff er nach den Zügeln um die Fahrt fortzusetzen. Wieso sein Knecht allerdings vor lauter Lachen in diesem Augenblick vom Kutschbock gefallen ist, das meine Lieben, das ist eine ganz andere Geschichte.

Bleibt ihr selbst also stets sauber und warm, denn wie ihr jetzt wisst, ist es das beste Mittel um ein gesundes, gesegnetes und überraschendes Weihnachtsfest sicherzustellen.

Frohe Weihnachten
A.Urban

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